Luise-Riegger-Haus • Karlsruhe

Ort: Karlsruhe | Bauherr: öffentlich | Zeitraum: 2023-2025 | Leistungsphasen: 1-9

Denkmalgerechte Sanierung und nachhaltige Interimsnutzung eines historischen Gebäudes

Ein öffentliches Gebäude aus dem Jahr 1880 wurde umfassend saniert und für die temporäre Nutzung als Kinder‑ und Jugendhaus ertüchtigt. Die Herausforderung bestand darin, historische Substanz zu bewahren und zugleich eine sichere, robuste und kindgerechte Umgebung zu schaffen,  im Spannungsfeld zwischen Denkmalschutz, nachhaltigem Umgang mit Ressourcen und modernen technischen Anforderungen.

Behutsame Sanierung unter strengen denkmalpflegerischen Vorgaben
Die historische Struktur mit ihren hohen Räumen, Holzdetails und charakteristischen Fensteröffnungen wurde grundlegend instandgesetzt und sorgfältig freigelegt.
Innenräume erhielten eine behutsame Oberflächenüberarbeitung, historische Wandoberflächen wurden wiederhergestellt und vorhandene Einbauschränke, Türen sowie Verzierungen denkmalgerecht repariert und farblich neu gefasst.

Dabei spielte ein präzises Farbkonzept eine zentrale Rolle. Es orientiert sich an der Befundung der historischen Anstriche und übersetzt diese in eine ruhige, zeitgemäße Palette, die die Qualitäten der Bausubstanz unterstreicht.

Nachhaltig bauen im Bestand – mit möglichst wenig Eingriffen
Wo immer möglich, wurde bestehende Substanz weiterverwendet:

  • Fenster wurden ausgebaut, an anderer Stelle wieder eingesetzt und damit ressourcenschonend neu genutzt.
  • Türschilder wurden ausgebaut und für neue Zylinderschlösser gestanzt, statt ersetzt zu werden.
  • Einbaumöbel wurden vollständig aufgearbeitet und in das neue Farb- und Nutzungskonzept integriert.
  • Bodenbeläge wurden nur dort erneuert, wo es technisch unumgänglich war – im Sinne eines maximalen Erhalts der Originalmaterialien.

In den Sanitärbereichen kamen reversible Plattenwerkstoffe zum Einsatz, die bis zu einer Höhe von 1,20 m montiert wurden und sich farblich in das denkmalgerechte Gesamtkonzept einfügen.

Technische Ertüchtigung für sichere und zeitgemäße Nutzung
Die gesamte technische Gebäudeausrüstung wurde erneuert: moderne Elektroinstallationen, neue Sanitärbereiche, energetisch optimierte Komponenten und eine umfassende brandschutztechnische Ertüchtigung.
Freistehende F90‑Deckensegel mit akustisch wirksamen Lochplatten gewährleisten Sicherheit und Raumakustik ohne die großzügige historische Raumhöhe einzuschränken.

Ein nachhaltiger Umgang mit Geschichte
Das Projekt zeigt, wie viel Potenzial im intelligenten Weiterbauen steckt:
Ein historisches Haus wird nicht „überformt“, sondern respektvoll weitergeführt mit minimalinvasiven Eingriffen, recycelten Bauteilen und einem ruhigen, klaren Gestaltungskonzept.
So entsteht ein Ort, der Kindern und Jugendlichen eine sichere, helle und freundliche Umgebung bietet – und gleichzeitig die Geschichte des Hauses sichtbar und erlebbar hält.

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